Tipps&Tricks: Humorvolle Texte schreiben – wie mache ich das? (Teil 1)

Humorvolle Texte schreiben, witzig sein - leicht gemacht!

Tipps&Tricks: Humorvolle Texte schreiben – wie mache ich das?

Immer wieder wird behauptet, dass nur  die  echten Genies unter den Textern  wahrhaft  humorvolle Texte schreiben können und damit ihre Mitmenschen nachhaltig und mehrwertig zu  entertainen in der Lage sind. Auch zum Thema „Humor in der Werbung“ gibt es viele Ansichten, Untersuchungen und Statistiken: Denken Sie nur an die, Ihnen sicherlich allen bekannte, aristotelische Supriority & Disparagement -Theorie  oder das Inkongruitäts-Auflösungs-Modell, basierend auf den Erkenntnissen von Schopenhauer und Kant.  Der Kundenmagnet und Gestaltungsfaktor Humor im Bereich Marketing – ein immer wieder diskutiertes Topic, dem auch wir uns hier, bei Contentkiss  gerne einmal zuwenden wollen. Denn häufig werden wir  gefragt: „Hey, wie kann ich denn überhaupt selbst mal erfolgreich einen eher humorigen Text schreiben?“ „Wie kann ich meine Kunden so’n bisschen mehr unterhalten?“ „Wie bringen wir unsere Leser eigentlich zum Lachen?“ Mit anderen Worten: „Wie werden wir witzig?“ Denn nur wer im „echten Leben“ ein richtig witziger Typ ist, kann das auch  verschriftlicht in den Äther bannen!  Darben auch Sie nicht mehr länger im stinkenden Morast des Unfassbaren und lassen Sie sich souverän von unseren Fachexperten vom Holzweg direkt ins Licht führen.          Von Anja Gsottschneider

Guten Tag!

Sie wissen es bereits selbst: Es liegt im Trend im Internet  auf seinen Webseiten in  Artikeln und Blogs „Tipps und Tricks“ zu verraten und aus dem Nähkästchen zu plaudern. Daher möchte auch ich nicht mit der Verbreitung von wertvollen Infos geizen  und mein Know-How mit der Welt teilen.  Nachdem ich jahrelang genauso unwitzig war wie viele andere Menschen, darf ich behaupten der lebende Beweis zu sein, dass man da „unheimlich was machen kann“. Die überzeugende Darreichung von Entertainement und das  Schreiben von humorvollen Texten ist nur möglich, wenn man einige grundlegende Dinge über das Wesen des Humors und seine eigene Persönlichkeit begriffen hat. Nur ein grundhumoriger Typ, wie ich inzwischen einer bin, kann daher  auch derartig humorvolle Texte schreiben!

1. Ohne Fleiß kein Preis.

Es war harte Arbeit. Sich Schritt für Schritt einem exklusiven Humor wie dem meinigen  anzunähern hat nichts mit Müßiggang und Alberei zu tun. Wichtig zunächst: Selbstdisziplin, allerhöchste Konzentration und stetiges Üben!

Jahrelang fiel es mir, genau wie Euch, sehr schwer, einfach mal so mitzulachen oder womöglich etwas zu einer illustren Runde beizutragen, es gelang mir daher auch nicht derartig humorvolle Texte zu schreiben, wie ich das heute tue. So habe ich  zuerst begonnen mir das Scherzen zuerst im Self-Made-Verfahren anzueignen. Dazu führte ich Buch.Wann immer ich irgendwo einen Kalauer vernahm, notierte ich ihn postwendend. Mittlerweile habe ich eine Menge starker und unheimlich witziger Sprüche gesammelt, auf die ich von selbst nie so gekommen wäre. Jeden Abend setzte ich mich hin, ordnete meine Notizen zu den Grundprinzipien angewandter Komik und lernte alles auswendig. Ich spiele mit dem Gedanken, mir im Keller ein Archiv einzurichten. Da kann man dann auch mal runtergehen … zum Lachen.

3. Timing ist alles!

Es ist aber darauf zu achten jeden Witz/Spruch/Kalauer je nach Situation prompt zu bringen. Ich übe dazu oft, auch vor dem Spiegel. Denn eines ist wichtig: ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN – und nichts dem Zufall überlassen. Sicher kennen Sie das Problem, dass Ihnen eine gute Antwort erst Stunden oder gar Jahre später einfällt. Als echter Humor-Profi müssen Sie daher lernen auf Schlagfertigkeit  zu achten. Erst mit der Zeit wird man immer versierter und es unterlaufen einem kaum noch  Gag-Platzierungsfehler, wie Sie an meinem Beispiel sehen.

Echte Schlagfertigkeit bedeutet: Stets volle Konzentration, immer aufmerksam bleiben, die Situation überschauen und dann zack, den angemessenen Witz/Spruch/Kalauer bringen. Eventuell kann man den ein oder anderen Gag auch schon im Vorfeld vorbereiten und sich dann den ganzen Abend damit beschäftigen den richtigen Zeitpunkt dafür abzupassen, anstatt sich über das Büffet zu ärgern!

Ein Beispiel. Unlängst habe ich folgende Standardsituation notiert: Fragt ein Mann auf der Straße einen Bekannten: „Hast Du schon meine schöne neue Uhr gesehen?“ Antwort: „Wieso, hast Du zwei?“

Dieser Scherz ist besonders praktisch da er unheimlich variabel einsetzbar ist.

3. Echte Hilfe von echten Profis.

Folgendes halte ich für eine ganz ganz spannende Sache: Es gibt regelrechte Experten, bei denen man das Scherzen professionell erlernen kann.  Ich habe mich daher für ein Lach&Scherz-Seminar an der VHS angemeldet, für die Sache war mir kein Preis zu teuer !I! In Creative-Workshops üben wir unter professioneller Anleitung diverse Scherze und lockere Sprüche zu den passenden Situationen ein. Im theoretischen Teil ordnen wir die verschiedensten Standardsituationen in die passenden Scherzkategorien. Erst danach üben wir den richtig lockeren Einsatz, indem wir pärchenweise solche Situationen nachstellen.

Zu jedem Treffen müssen die Teilnehmer einen eigenen witzigen Text mitbringen, den wir dann gemeinsam auswerten und analysieren. Ich hatte dafür  den Gag von neulich einfach umgeändert: „Begegnen sich zwei Frauen auf der Straße. Sagt die eine: ‘Hast Du schon mein schönes neues Gebiss gesehen?’ Sagt die andere: ‘Wieso hast Du zwei?’“ Der kam in der Gruppe gar nicht so schlecht an, besonders wegen seiner Variabilität. Der Witz gehört zur Gruppe 2c, kein sogenannter Speisebegleiter, aber anwendbar im Wartezimmer eines beliebigen Arztes.

4. Immer professionell bleiben!

Nach Absprache fanden die Treffen auch mal bei uns zu Hause statt. Seitdem ich witziger bin sag ich da schon mal sowas wie: „Heroin spaziert!“ oder „Super Mantel, steht Dir von Jahr zu Jahr besser!“ Allerdings: Für manche Leute im Kurs ist  Rücksichtnahme wohl ein Fremdwort. Ich bin alles andere als spießig; anscheined war ich aber  die einzige im Seminar, die einen Garderobenhaken bei sich zu Hause hatte – gewisse andere  Teilnehmer warfen ihre Jacken einfach über den Stuhl im Flur. Natürlich sagte ich dazu nix, aber ich dachte mir echt meinen Teil. Man will ja nicht nach dem Einlachen gleich die lockere Stimmung trüben, nur weil einige Leute keine Kinderstube haben, sag ich mal. Wenn man erst mal mit den Atemübungen fertig ist, ist es wichtig die Runde nicht mit ernsten Themen zu belasten, denn sonst müssen alle noch einmal von vorne anfangen.

Übrigens: Wer ständig unentschuldigt im Kurs fehlt und dann meint sich einfach die Unterlagen der anderen kopieren zu können, ist doch total unprofessionell. Ohne mich. Wer nicht kommt, der muss dann eben damit leben, dass die anderen bereits nach drei Wochen Wochen weitaus (!) witziger sind als er. Als ich schon solche herausragend verrückten und humoristischen Texte schreiben konnte, da hatte er noch nicht mal einen einzigen Blondienenwitz parat, obwohl wirklich jeder weiß, dass die ausgesprochen lustig sind. Besonders für Nicht-Blondienen, weil Blondienen selbst ja solche Scherze gar nicht begreifen können. Wie denn auch? Es sind ja Blondienen!

5. Talent ist eine Voraussetzung. Aber nicht die einzige.

Seien Sie nicht verzweifelt, nur weil auch Sie bisher nicht als der neue Fips Asmussen ihrer Firma in Erscheinung getreten sind, auch wenn sie schittebön stets ihr Schlepptop mit humoresken Erkennten speisen. Alles Chlor?  Natürlich mag ein gewisses Talent förderlich sein, aber auch ein Mario Barth ist nicht als Live-Act im Olympiastadium geboren und er wurde nicht auf einer goldenen Barre dahin getragen. Humorvolle Geschichten schreiben kann jeder, der hinter sich im Gegensatz zu vielen anderen Anfängern auf den richtigen Weg begibt, um zielstrebig dort hin zu marschieren, wo Spitzensatiriker wie unsereins heute stehen. Nämlich auf die Überholspur, hihi.

Meine Affinität zu virtuoser Witzigkeit und dem richtigen Umgang damit kristallisierte sich bereits früh heraus: Schon  zu meiner Schulzeit war ich irgendwie meinen Altersgenossen weit voraus und stellte fest, dass Leute die über alles unbewusst Witze machen damit nur ihre Unsicherheit überspielen, mit aller Gewalt originell wirken oder sich krampfhaft in den Mittelpunkt spielen wollen. Ich habe immer gesagt, ich bin die Allerletzte, die nicht auch mal schmunzelt, aber bitte nicht auf Kosten anderer, schon gar nicht, wenn diese keine Fortbildung besucht haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Leuten weiß ich heute, was ich tue! Und – kleiner Tipp am Rande – auch wenn andere oft mit den Augen rollen, man darf sich nicht beirren lassen. Kritiker und Neider gibt es immer, besonders wenn man sich mit derartig fundierten  Expertenkenntnissen über den Rest der Welt erhebt!

6. Mein Credo: Emotionale Nähe und Vertrauen schaffen!

In unserem Kurs scherzen wir konsequent MITEINANDER und nicht übereinander. Nur dadurch entsteht so etwas wie Vertrauen und emotionale Nähe. Persönlicher Tipp von mir: MIT dem Partner üben. Einfach mal gemeinsam Situationen aufleben lassen, in denen man zusammen sogar Spaß hatte. Weil noch andere mit dabei waren.

Beispiel: „Weißt Du noch die lustige Schneeballschlacht, als Karin beinahe ausgerutscht wäre oder wie sich Katja Silvester ´97 auf das Pfurzkissen setzte?“ Diesen Gag habe ich damals zum ersten Mal ausprobiert. Raimund meinte bei der Nachbesprechung, das wäre   total kindisch gewesen. Wobei er wiederum gut und originell fand, dass ich Katja mit einem frechen „Stück maln Rück“ dazu gebracht habe sich genau darauf zu setzen…  Raimund hat damit natürlich einerseits recht, aber irgendwie hat die ganze Gruppe dann doch  lachen müssen, auch wenn uns das bis heute immer noch ein bisschen peinlich ist. Naja, wir hatten auch schon einen im Tee. In der Zukunft passiert uns so ein Anfängerfehler aber natürlich nicht mehr.

Ich habe mich am nächsten Tag bei Katja entschuldigt, schließlich war sie vor der ganzen Runde ziemlich bloßgestellt worden.  Inzwischen hat sie allerdings eine Therapie gemacht und nun kann auch sie darüber lachen. Ist Ihnen schon mal aufgefallen: Nach einigen Jahren lacht man häufig über die Dinge, die man damals gar nicht so lustig fand. Vermutlich weil man einfach noch nicht so viel Routine in Punkto Humor hatte, wie ich mittlerweile.

7. Sich öfter mal was ganz schön Ausgeflipptes trauen!

Nicht jeder ist ein Rebel oder crazy Typ, der – ohne mit der Wimper zu zucken – auch nach 18 Uhr noch Kaffee trinkt, oder ganz frech mal zum Bleistift  witzige Bemerkungen Marke „Herzlichen Glühstrumpf“ raushaut… Aber vielleicht habt Ihr selbst inzwischen Mut bekommen, dann testet doch mal beim gemeinsamen Schaufensterbummel mit einer guten Bekannten den hier: Wenn die Bekannte sagt: “Guck mal da, die Bluse!” Dann du so: “Meinst Du, die gibt es auch in schick?” Dieser Scherz ist ähnlich variabel wie der mit dem Gebiss, aber einfach mal ne pfiffige Variante. Man darf  aber auch mal was richtig Durchgeknalltes wagen:

Neulich, zum Beispiel,  habe ich zum ersten Mal einen Witz außerhalb der Gruppe und ohne vertraute Person in meiner Nähe gemacht: Sitzt da so eine Punkerin (!) mit grünen Haaren auf einer öffentlichen Parkbank. Und ich so: “Na, Dein Schatz ist wohl ein Jägersmann…”

Die Antwort hab ich gar nicht mehr gehört, ich hab danach die Beine natürlich nur so in die Hand genommen.

Nur Witzigkeit mit Know-How - DAS ist wahre Witzigkeit! Fazit: Humorvolle Texte schreiben kann jeder, der die Sache mit höchster Selbstdisziplin und Professionalität ganz bewusst und nachhaltig  angeht!

(c) 2015 Contentkiss

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